Dienstag, 12. April 2011

Die Weitergabe des Feuers, dazu Freude, Wehmut und Erschöpfung, dann Geduld

Montag, 11. April 2011: Thomas, Kathrin und Christoph haben Anna I durch die Nacht begleitet. Es sollte die letzte für diesen Brand werden, denn am Morgen fällt endgültig die Entscheidung, wir werden heute ausbrennen. Die Ziehproben aus dem vorderen wie auch hinteren Bereich der Anagama-Kammer gefallen allen und sind aussagekräftig.

Ein gleichmäßiger Ascheanflug und -fluss zeigt sich auf den Probekörbchen, ein schönes Seladon ist von dunklen Tamadaren durchwirkt, der Scherben ist nicht nur oberflächlich reduziert. Und mehr als zu reduzieren, geht nun mal nicht. - Das heißt als Vorbereitung: Steine zum Verschließen der Feuerlöcher heranfahren, Keramikfasermatten bereitlegen und Tuppen voller Schmotze anrühren, um später auch noch die letzten Ritzen abzudichten. Gegen 10.30 Uhr verschließen wir die Seitenfeuerung
und gehen gegen Dreiviertelelf bei durchschnittlich 1250° C in der Anagamakammer ganz auf Reduktion.
Christoph stopft die Feuerung randvoll mit Holz verschließt sie dann schnell, damit das Feuer gezwungen ist, sich den Sauerstoff nun ausnahmslos aus Glasur, Engobe und Scherben zu holen. Während Volker die 2. Flasche Cremont dieses Brandes spendiert (für neu hinzu gekommene Leser: die erste gab's beim Anzünden), beginnen Kathrin und Juliane die Sodakammer hochzuheizen. 1220° C, 1230°Grad,
zwischendurch Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl, gegen 15.00 Uhr sind 1250° C erreicht, während die Anagamakammer längst ein ganz stiller Brüter geworden ist, aber eine Hitze wirft, die Gespräche über Saunabesuche provoziert. Bretter werden gewässert und mit Soda beträufelt. Über zwei Stunden führen wir immer wieder Soda, insgesamt 5 kg, und Wasser (mit der Pferdespritze) zu. 17.30° C vermeldet das Pyrometer satte 1300° C aus dem Ofeninneren. Alle Kegel sind gefallen. Wir stossen mit einer weiteren Flasche Cremont an, die Volker aus dem Elsass mitgebracht hat. In die Freude mischt sich etwas Wehmut, immerhin beenden wir nun, was uns über Tage in Atem gehalten hat, wofür wir über Monate gearbeitet haben. 18.15 ist der gesamte Ofen geschlossen, sind sämtliche Löcher und Ritzen verschmiert. - In einer Woche, am kommenden Montag, wollen wir den Ofen öffnen und sind schon ganz gespannt. Am darauf folgenden Dienstag werden wir im Blog Ergebnisse präsentieren und berichten, wie es mit Anna I in der Zwischenzeit weitergegangen ist. Zu den vielen Lesern in Deutschland haben sich jetzt auch welche in Australien, Frankreich, Großbritannien, Österreich, der Schweiz und den USA hinzu gesellt. Ein herzliches Willkommen an alle. Jetzt aber braucht der Anagama, unsere Anna I, erstmal seine Ruhe, um sich ganz allmählich abzukühlen - und wir brauchen sie zugegebenermaßen für den Moment auch.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen